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Das Pikkolo war 1985 ein kleines und feines Restaurant für die Liebhaber
mediteraner Speisen in Osnabrück. Eine Woche vor unserem geplantem Hochzeitsmahl
gedachte ein Kühlschrank der ihm angestammten Funktion nicht mehr nachkommen
zu wollen, versagte den Dienst und entzündete sich im wahrsten Sinne
des Wortes.
Kurz vor den Aufräumarbeiten nutzte ich die Gelegenheit die verkohlte
Seite eines meiner Lieblingsrestaurants zu dokumentieren. Übrigens, unser
Hochzeitsmahl wurde trotzdem von Wolfgang zubereitet.
Anläßlich einer der Ausstellungen des Zykluses schrieb Manfred
Schoon, mein Photografie-Dozent an der Fachhochschule Münster und späterer
Freund einen Text über meine Art mit der Kamera die Welt festzuhalten.
Wenn ein Grafik-Designer, der überwiegend
in der Werbung tätig ist, einen verkommenen Ort aufsucht, um zu photografieren,
kann eine Idee dahinter stecken oder der Wunsch, der genormten alltäglichen
Kreativität zu entfliehen.
So könnte es bei Thomas Schmeller gewesen sein, der an einem Nachmittag
das baufällige Lokal betrat, daß durch einen Schwelbrand zerstört
war.
Er kannte dieses Restaurant, hatte hier allein, zu zweit oder mit Freunden
so manch gute Flasche Wein geleert. Und nun, nach dem Brand, blieben nur noch
rußige Spuren, sah er von den Wänden abblätternde Farbe, verschwärzte
Heizkörper, die aus der Form geratenen, kunststoffumhüllten Speisekarten,
eine immer noch trotzig glänzende Kartoffelpresse.
Eine mit feiner Asche überzogene Schere inspirierte ihn besonders.
Er photografierte. Setzte gezielt das künstliche Licht, seitlich genug,
um Strukturen hervorzuheben. Den penetranten Brandgeruch nahm er vermutlich
nicht mehr wahr, als er sich hingehockt hatte, um die Kamera nahe genug heranzuführen.
Behutsam drehte er die Objektivringe, bestimmte die Schärfe, wählte
die Blende.
Eine Aufnahme entstand. Ein Rohling, wie er meinte.
Später, nach der Entwicklung, nach Ausarbeitung der Schwarz-Weiß-Positive,
wurde das eine oder andere Bild bearbeitet. Kunstvoll wurden dann mit der
Airbrush-Pistole Farbakzente gesetzt.
So entstand der Pikkolo Zyklus.
Die Photografie als Rohmaterial, um die Wahrnehmung des Alltäglichen
phantasievoll umzusetzen? Nicht nur. Es gibt Aufnahmen, wo ihm die Photografie
ansich genügt.
Doch wie auch immer, bei den Bildern von Thomas Schmeller ist der Betrachter
gefordert, hinzusehen.
Ein Anspruch, der wichtig genug ist, denn die Neigung, Alltägliches zu
übersehen, ist häufiger gegeben, als wir wahrhaben wollen.
Manfred Schoon |
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